Biosensoren im Praxistest: Präzise Glukose- und Laktatmessung in Echtzeit

Biosensoren haben seit ihrer ersten Entwicklung im Jahr 1962 durch Clark und Lyons eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Dabei handelt es sich um spezielle Messfühler, die mit biologischen Komponenten ausgestattet sind und in drei Schritten einen Analyten messen können.

Wir befassen uns in diesem Artikel mit modernen enzymatischen und elektrochemischen Biosensoren, die heute vielfältige Anwendungen finden. Besonders beeindruckend sind die aktuellen Entwicklungen im Bereich der tragbaren Glukosesensoren, die den Blutzuckerspiegel kontinuierlich und nichtinvasiv in Körperflüssigkeiten wie Schweiss oder Augenflüssigkeit messen können. Ausserdem betrachten wir fortschrittliche Systeme wie den LV5 Sensor, der als Durchfluss-Biosensor bis zu vier Analyten (Glukose, Laktat, Glutamin, Glutamat) gleichzeitig messen kann. Diese Sensoren benötigen entsprechend weniger Energie – frühere Systeme verbrauchten etwa 500 Mikroampere bei fünf Volt, während moderne Geräte mit weniger als 100 Mikroampere auskommen.

In den folgenden Abschnitten untersuchen wir den Aufbau, die Funktionsweise und die praktischen Anwendungen dieser präzisen Messgeräte, die sowohl in der Medizin als auch in der Biotechnologie zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Aufbau enzymatischer Biosensoren zur Glukose- und Laktatdetektion

Enzymatische Biosensoren für Glukose und Laktat funktionieren nach einem präzisen Grundprinzip: Die Erkennung des Analyten durch eine biologische Komponente, gefolgt von der Umwandlung der physikochemischen Veränderungen in ein elektrisches Signal, das anschliessend verarbeitet wird. Betrachten wir nun die drei Kernkomponenten dieser faszinierenden Messgeräte im Detail.

Biokomponenten: Glukoseoxidase und Laktatoxidase

Im Herzstück enzymatischer Biosensoren wirken spezifische Enzyme als Biorezeptoren. Bei Glukosesensoren kommt dabei Glukoseoxidase (GOx) zum Einsatz, während Laktatsensoren Laktatoxidase (LOx) verwenden. Diese Enzyme werden auf einer Elektrodenoberfläche immobilisiert, oftmals zwischen zwei Membranen oder in einer Polymermatrix.

Die biochemische Reaktion bei Glukosesensoren folgt einem klaren Schema: Glukose reagiert unter Sauerstoffbeteiligung mit GOx zu Gluconsäure und Wasserstoffperoxid (H₂O₂). Dabei werden Elektronen auf den an GOx gebundenen Cofaktor FAD übertragen, der zu FADH₂ reduziert wird. Dieser reduziert wiederum Sauerstoff zu Wasserstoffperoxid. Bei Laktatsensoren läuft ein analoger Prozess ab, wobei LOx die Umwandlung von Laktat zu Pyruvat und Wasserstoffperoxid katalysiert.

Die Stabilität dieser Enzyme unterscheidet sich erheblich – während GOx-basierte Sensoren bei Lagerung bei 4°C ihre Sensitivität bis zu einem Monat behalten können, beginnen LOx-Sensoren deutlich schneller an Empfindlichkeit zu verlieren, was die Herstellung robuster Laktatsensoren komplizierter macht.

Transduktoren: amperometrische und potentiometrische Systeme

Für die Umwandlung der enzymatischen Reaktion in ein messbares elektrisches Signal werden hauptsächlich zwei elektrochemische Messprinzipien eingesetzt:

Die Amperometrie misst den Strom zwischen zwei Elektroden bei konstanter Spannung. Dieses Verfahren eignet sich besonders für Stoffwechselprodukte, die leicht oxidiert oder reduziert werden können – wie das bei der enzymatischen Reaktion entstehende Wasserstoffperoxid. Der gemessene Strom ist dabei direkt proportional zur Analytkonzentration. Amperometrische Sensoren zeichnen sich durch ihre hohe Empfindlichkeit aus, die selbst kleinste Konzentrationen im ppb-Bereich nachweisen kann.

Im Gegensatz dazu erfolgt bei der Potentiometrie die (fast) stromlose Messung der Spannungsdifferenz zwischen zwei Elektroden. Dieses Verfahren wird besonders bei ionischen Reaktionsprodukten angewendet, wobei die quantitative Bestimmung anhand des elektrischen Potentials an einer mit einem geeigneten Enzym belegten Messelektrode erfolgt. Die Grundlage bildet dabei die Nernst-Gleichung.

Beide Systeme haben ihre spezifischen Vorteile – amperometrische Sensoren bieten kurze Antwortzeiten, da die Elektrode nicht im thermodynamischen Gleichgewicht sein muss, während potentiometrische Sensoren besonders für die Detektion von pH-Wert-Änderungen geeignet sind.

Signalverarbeitung mit CMOS-basierten Chips

Die erheblichen Fortschritte in der Mikroelektronik haben die CMOS-Technologie (Complementary Metal Oxide Semiconductor) zu einer robusten und kostengünstigen Plattform für elektrochemische Instrumentierung gemacht. CMOS-Biosensoren bieten geringere Kosten, niedrigeren Stromverbrauch und kleinere Grösse. Ausserdem ermöglichen sie die Erstellung hochdichter Sensorarrays für Anwendungen wie DNA-Tests und Wirkstoffscreening.

Die CMOS-basierte elektrochemische Instrumentierung für amperometrische und impedimetrische Biosensoren lässt sich in vier funktionelle Blöcke gliedern: Signalgenerator, Potentiostat, Auslesekreis und Signalverarbeitung. Der Signalgenerator erzeugt die gewünschten Stimulationssignalformen, der Potentiostat kontrolliert das Biasingpotential der Elektroden, der Auslesekreis verstärkt das Sensorsignal und die Signalverarbeitung optimiert die Daten aus dem Auslesekreis.

Der erste CMOS-Potentiostat wurde bereits 1987 vorgestellt und markierte den Beginn einer neuen Ära der Miniaturisierung für Hochdurchsatz-Screening, Point-of-Care-Diagnostik und implantierbare Geräte. Seither wurden verschiedene spezialisierte Analog-Digital-Wandler (ADCs) für amperometrische Sensoren entwickelt, darunter Sigma-Delta-ADCs, Integrations-ADCs und Strom-Frequenz-ADCs, die eine effiziente Analyse und Speicherung von Sensordaten ermöglichen.

Elektrochemische Messprinzipien im Echtzeitbetrieb

Die elektrochemischen Messmethoden bilden das Rückgrat moderner Biosensoren für die Echtzeit-Analyse von Glukose und Laktat. Im Gegensatz zu optischen oder thermischen Verfahren zeichnen sie sich besonders durch ihre hohe Empfindlichkeit und die Möglichkeit zur Miniaturisierung aus.

Amperometrie bei Glukosemessung: H2O2-Detektion

Bei der amperometrischen Messung von Glukose liegt das Grundprinzip in der Erfassung eines Elektrolysestroms an einer Arbeitselektrode bei konstantem elektrochemischem Potential. Diese Methode nutzt die enzymatische Umwandlung von Glukose durch Glukoseoxidase zu Glukonsäure und Wasserstoffperoxid (H₂O₂), wobei gleichzeitig Sauerstoff verbraucht wird. Der gemessene Strom ist dabei direkt proportional zur Konzentration des Analyten, was eine präzise quantitative Bestimmung ermöglicht.

Besonders fortschrittlich sind hierbei Nanokomposite aus NiFe₂ in geordnetem mesoporösen Kohlenstoff (OMC), die eine ausgezeichnete elektrokatalytische Aktivität zur Reduktion von H₂O₂ aufweisen. Mit diesen Materialien lässt sich eine beeindruckende Sensitivität von 4,29 μA mM⁻¹ cm⁻² erreichen, bei einem linearen Messbereich von 6,2 bis 42.710 μM und einer niedrigen Nachweisgrenze von nur 0,24 μM. Während klassische Systeme meist Platinelektroden verwenden, kommen heutzutage auch Gold-, Kohlenstoff-, Quecksilber- oder Silberelektroden zum Einsatz.

Die Herausforderung bei dieser Methode liegt allerdings darin, dass das entstehende Wasserstoffperoxid als toxisches Nebenprodukt auftritt, was kontinuierliche Messungen im Gewebe erschweren kann.

Potentiometrie bei Laktat: pH-Wert-Veränderung

Die Potentiometrie funktioniert nach einem grundlegend anderen Prinzip: Sie basiert auf der Messung der Konzentrationsabhängigkeit der Leerlaufspannung ohne Stromfluss. Bei der Laktatmessung nutzt man die Tatsache, dass bei der enzymatischen Umwandlung von Laktat durch Laktatoxidase eine Änderung des pH-Werts stattfindet. Diese Veränderung kann mittels spezieller Indikatorelektroden erfasst werden.

Im potentiometrischen Verfahren muss besonders darauf geachtet werden, dass die Messung stromlos erfolgt, da sonst durch Elektrolyse Verfälschungen der Potentiale auftreten würden. Die quantitative Analyse erfolgt anhand der Nernst-Gleichung, die den Zusammenhang zwischen der Konzentration des zu bestimmenden Ions und dem elektrischen Potential beschreibt.

Trotz der hohen Präzision zeigt diese Methode Einschränkungen bei der Echtzeitüberwachung, da das System erst ein Gleichgewicht erreichen muss, bevor zuverlässige Messwerte generiert werden können.

Verwendung von Mediatoren wie Ferrocenderivaten

Ein Durchbruch bei der Entwicklung moderner Biosensoren gelang mit dem Einsatz von Redox-Mediatoren, insbesondere Ferrocenderivaten. Diese erleichtern den Elektronentransfer zwischen dem katalytischen Zentrum des Enzyms und der Elektrodenoberfläche erheblich.

Ferrocenderivate zeichnen sich durch mehrere Vorteile aus: Sie bieten eine hervorragende Stabilität in wässrigen und organischen Medien, haben pH-unabhängige Redoxpotentiale, sind leicht zu synthetisieren und vielseitig substituierbar. Dadurch übertreffen sie andere metallorganische Verbindungen in Biosensoranwendungen.

Für komplexere Systeme, etwa mit Hefezellen, haben sich Zwei-Mediator-Systeme bewährt. Hierbei kommt oft ein lipophiler Mediator wie Vitamin K₃ (Menadion) in Kombination mit einem hydrophoben Mediator wie Kaliumhexacyanoferrat zum Einsatz. Die Effizienz des Elektronentransfers hängt dabei massgeblich von der Interaktionsgeschwindigkeit beider Mediatoren ab.

In modernen Glukosesensoren führt der Einsatz dieser Mediatoren zu deutlich schnelleren Reaktionszeiten und höherer Sensitivität, was sie für Echtzeitanwendungen ideal macht. Zudem ermöglicht die Kombination von Ferrocenderivaten mit Kohlenstoff-Nanoröhren eine hervorragende katalytische Effizienz selbst bei niedrigen Analytkonzentrationen.

Wearable Biosensoren im Alltagstest

Die Weiterentwicklung von Biosensoren zu tragbaren Systemen markiert einen Wendepunkt in der Patientenüberwachung. Diese können nun kontinuierlich und in Echtzeit wichtige Biomarker erfassen, ohne dass der Alltag der Anwender wesentlich beeinträchtigt wird.

Klebepflaster mit integrierter Glukosemessung

Moderne Biosensor-Pflaster bieten inzwischen bemerkenswerte Funktionen zur nichtinvasiven Glukosemessung. Wissenschaftler der Seoul National University entwickelten ein intelligentes Pflaster, das mit Goldatomen durchsetztes Graphen enthält und durch ein dünnes, gewundenes Goldnetz die nötige Leitfähigkeit und Flexibilität erhält. Dieses System analysiert den Schweiss des Patienten, der durch die Haut in das Pflaster diffundiert und von Sensoren auf Biomarker wie Blutzuckerwerte untersucht wird. Besonders beeindruckend: Das Zusammenspiel mehrerer Sensoren gleicht Messfehler aus – beispielsweise kompensiert ein pH-Sensor die durch pH-Wert-Veränderungen verursachten Ungenauigkeiten des Glukose-Sensors.

Ein weiterer Ansatz stammt von Nemaura Medical mit dem System „sugarBEAT“, das die CE-Kennzeichnung erhalten hat. Es besteht aus einem zweischichtigen Pflaster – wobei die untere Schicht täglich gewechselt werden muss und eine Kalibrierung über ein herkömmliches Blutzuckermessgerät erfordert. Das Pad wird auf den Oberarm geklebt und nutzt die „reverse Iontopherese“, bei der ein schwacher elektrischer Gleichstrom Glukosemoleküle aus der Gewebeflüssigkeit löst, die dann vom Sensor erfasst werden.

Wissenschaftler der Universität Bath arbeiten ausserdem an einem Pflaster, das den Glukosespiegel misst, indem es die Flüssigkeit zwischen den Zellen über die Haarfollikel entzieht. Ein besonderer Vorteil dieser Methode ist, dass keine Kalibrierung benötigt wird, was das System weniger anfällig für Abweichungen macht.

Datenübertragung via Bluetooth an mobile Geräte

Die Datenübertragung erfolgt bei modernen Wearables meist über Bluetooth Low Energy (BTLE), das durch ausgeklügelte Duty Cycle Mechanismen sehr energieeffizient arbeitet. Das typische System besteht aus einem Tablet-PC oder Smartphone, das seine Umgebung nach BTLE-Modulen abscannt, und dem aktiven Sensor, der periodisch kurze Signalsequenzen sendet.

Der Sensor befindet sich dabei meist im Schlafmodus und verbraucht durchschnittlich nur wenige Mikroampere Strom. Sobald das Smartphone einen Sensor erkennt, fragt es diesen nach seinen Messwerten, alternativ kann bei Einzelmessungen der letzte Messwert direkt mit dem Advertising-Signal mitgeliefert werden.

Dabei können Daten von mehreren Sensoren an ein oder mehrere mobile Geräte übertragen werden. Die mobilen Apps bieten übersichtliche Dashboards für praktische Messungen und ermöglichen es, mehrere Projekte mit eigenen Dashboards zu erstellen sowie leistungsstarke Begriffe zu definieren, die genau bestimmen, was angezeigt werden soll.

Langzeitstabilität und Energieverbrauch im Vergleich

Die Energieversorgung stellt eine zentrale Herausforderung für Wearables dar, da sie einen kontinuierlichen, stabilen und ausreichenden Stromfluss benötigen. Lithium-Ionen und Lithium-Ionen-Polymer-Batterien sind die am häufigsten verwendeten Energiequellen für tragbare Sensoren. Sie zeichnen sich durch hohe Arbeitsspannung, hohe spezifische Energie, hohe spezifische Leistung, lange Lebensdauer und sehr niedrige Selbstentladungsrate (2% pro Monat) aus.

Für eine nachhaltigere Energieversorgung werden zunehmend alternative Technologien erforscht. Solarbetriebene tragbare Geräte nutzen flexible Solarzellen, die in Textilien eingebettet werden können. Tatsächlich können 200 Miniatur-Solarzellen, eingebettet in einem 20 cm² grossen Gewebeabschnitt, eine Leistung von bis zu 43,5 Milliwatt erzeugen – genug, um ein Mobiltelefon zu betreiben.

Thermoelektrische Generatoren (TEGs) bieten einen weiteren innovativen Ansatz, indem sie die Abwärme des menschlichen Körpers in elektrische Energie umwandeln. Der menschliche Körper erzeugt in Ruhe bis zu 58,2 W/m² an Abwärme, wovon bereits ein kleiner Prozentsatz ausreicht, um die meisten energiearmen Wearables ohne Batterie zu betreiben. Diese Technologie wurde bereits erfolgreich in Sensoren zur Überwachung des Blutzuckerspiegels eingesetzt.

Schliesslich gewinnen auch biologische Brennstoffzellen (BFCs) an Bedeutung. Epidermale BFCs können Milchsäure im Schweiss oxidieren, um Energie zu erzeugen. Ein flexibles Armband-BFC kann Schweiss sammeln und Laktat nutzen, um tragbare Geräte mit einer maximalen Ausgangsleistung von 74 μW zu versorgen.

Multiparametrische Sensorik mit mikrofluidischen Systemen

Mikrofluidische Systeme stellen das Fundament moderner multiparametrischer Biosensoren dar. Sie ermöglichen die präzise Handhabung kleinster Flüssigkeitsmengen und bieten somit ideale Bedingungen für hochempfindliche Analysen in Echtzeit.

LV5-Sensor: gleichzeitige Messung von Glukose, Laktat, Glutamin, Glutamat

Der LV5-Sensor von IST AG repräsentiert einen bedeutenden Fortschritt in der multiparametrischen Biosensorik. Als enzymbasierter amperometrischer Durchfluss-Biosensor kann er bis zu vier Analyten gleichzeitig messen: Glukose, Laktat, Glutamin und Glutamat. Diese Fähigkeit ist besonders wertvoll, da in biologischen Systemen oft verschiedene metabolische Pfade parallel aktiv sind. Für jeden Analyten bietet der LV5 definierte Messbereiche:

  • Glukose: 0,05 mM bis 25 mM (0,01 bis 4,5 g/l)
  • Laktat: 0,02 mM bis 15 mM (0,002 bis 1,5 g/l)
  • Glutamin: 0,04 mM bis 20 mM (0,006 bis 3 g/l)
  • Glutamat: 0,04 mM bis 10 mM (0,006 bis 1,5 g/l)

Mehr dazu unter:https://www.ist-ag.com/de/biosensoren

Durchflusszelle mit 1 µL Probenvolumen

Ein entscheidender Vorteil des LV5-Sensors liegt in seiner aussergewöhnlich kompakten Durchflusszelle mit einem Volumen von nur 1 µL. Dadurch werden minimale Probenvolumina benötigt – ein kritischer Faktor bei der Analyse wertvoller biologischer Proben. Der Druckabfall in dieser Durchflusszelle beträgt etwa 700 µl/min/bar, was bei der Integration in mikrofluidische Systeme berücksichtigt werden muss.

Für die optimale Funktion werden Sensoren in eine entsprechende mikrofluidische Infrastruktur eingebettet. Bei der Entwicklung solcher integrierten Systeme werden zunächst das Anwendungsszenario (Online-Messung, Laboreinsatz, Vorort-Analyse) und die Analysebedingungen untersucht. Anschliessend erfolgt die Analyse der Schnittstellen – fluidisch, elektrisch, optisch und mechanisch.

Kompatibilität mit Sterilisation und Langzeitbetrieb

Entscheidend für biotechnologische Anwendungen ist die herausragende Beständigkeit des LV5-Sensors. Er ist kompatibel mit Beta- und Gammasterilisation (typischerweise 25 kGy), wenngleich die Sensitivität nach Sterilisation erhöht sein kann und die Lebensdauer der Laktatsensoren verkürzt wird.

Hinsichtlich der Betriebsdauer überzeugt der LV5 mit einer beachtlichen Langzeitstabilität: Über einen Monat im kontinuierlichen Messmodus können stabile Werte erzielt werden. Bei Verwendung im Analysatormodus verlängert sich die Nutzungsdauer auf über vier Wochen. Die tatsächliche Lebensdauer hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere der Analytkonzentration und dem verwendeten Puffersystem.

Die IST AG bietet den LV5 in einem robusten Gehäuse an, das speziell für Einbau und Tests konzipiert wurde, wodurch er sich ideal für industrielle Anwendungen eignet.

Anwendungsbeispiele aus Medizin und Biotechnologie

Biosensoren haben inzwischen den Sprung vom Labor in den Alltag geschafft und werden in verschiedenen Bereichen der Medizin und Biotechnologie erfolgreich eingesetzt.

Kontinuierliches Glukosemonitoring bei Diabetes

Kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) bestehen aus drei Komponenten: einem Sensor, einem Transmitter und einem Empfangsgerät. Der Sensor wird am Bauch oder Oberarm platziert und misst den Zuckergehalt in der Gewebeflüssigkeit zwischen den Zellen. Moderne Systeme übertragen die Daten drahtlos alle paar Minuten an ein Empfangsgerät wie Smartphone oder Insulinpumpe.

Die Vorteile sind beeindruckend: Dreimal mehr Anwender erreichen einen HbA1c-Wert unter 7,5% und die Zeit im Zielbereich steigt deutlich an. Trendpfeile auf dem Display zeigen zudem, ob der Glukosewert ansteigt, abfällt oder stabil bleibt.

Laktatmessung im Sport- und Intensivbereich

Im sportmedizinischen Kontext dient die Laktatdiagnostik vorrangig der Ausdauerleistungsdiagnostik und Trainingssteuerung. Die „Anaerobe Schwelle“ aus der Laktatmessung ist ein hervorragender Prädiktor für die Ausdauerleistungsfähigkeit.

Besonders wertvoll ist die Laktatmessung allerdings im Intensivbereich. Erhöhte Laktatwerte (Hyperlaktatämie) sind ein Indikator für erhöhte Morbidität und Mortalität. Das EIRUS-System von Maquet Critical Care meldet minütlich Glukose- und Laktatwerte im Blut kritisch kranker Patienten und schlägt Alarm bei Abweichungen.

Biosensoren in Bioreaktoren zur Prozesskontrolle

In Bioreaktoren überwachen Sensoren kritische Parameter wie pH-Wert, Redoxpotential, gelösten Sauerstoff und CO2 sowie optische Dichte. Dies gewährleistet chargenübergreifende Konsistenz bei der Produktion von Antikörpern und Protein-Therapeutika.

Die Sensoren müssen sterilisationsbeständig sein und präzise Messungen in Kulturmedien liefern. Fortschrittliche digitale Technologien wie Intelligent Sensor Management (ISM®) vereinfachen die Handhabung, erhöhen die Messintegrität und reduzieren Betriebskosten.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend haben Biosensoren in den vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Angefangen bei ersten enzymatischen Sensoren haben sie sich zu hochpräzisen, miniaturisierten und energieeffizienten Messinstrumenten entwickelt, die sowohl in der Medizin als auch in der Biotechnologie unverzichtbar geworden sind. Besonders die elektrochemischen Messprinzipien wie Amperometrie und Potentiometrie haben dabei entscheidend zur Präzision und Echtzeitfähigkeit moderner Biosensoren beigetragen.

Die Integration von Biosensoren in tragbare Systeme stellt zweifellos einen Meilenstein dar. Intelligente Pflaster mit Glukosemessung und Bluetooth-Datenübertragung ermöglichen es Patienten, ihren Blutzuckerspiegel kontinuierlich und nichtinvasiv zu überwachen. Dadurch wird die Lebensqualität von Diabetikern erheblich verbessert. Ausserdem zeigen alternative Energieversorgungslösungen wie Solarzellen, thermoelektrische Generatoren und biologische Brennstoffzellen vielversprechende Ansätze für eine nachhaltige und unabhängige Stromversorgung dieser Wearables.

Fortschrittliche multiparametrische Sensoren wie der LV5-Sensor erweitern die Anwendungsmöglichkeiten zusätzlich. Dank mikrofluidischer Systeme können gleichzeitig mehrere Analyten wie Glukose, Laktat, Glutamin und Glutamat gemessen werden, was vor allem für Bioreaktoren und die Intensivmedizin von unschätzbarem Wert ist.

Die Zukunft der Biosensorik erscheint daher äusserst vielversprechend. Während die Technologie weiter voranschreitet, werden wir aller Voraussicht nach noch präzisere, langlebigere und vielseitigere Sensoren erleben. Die weitere Miniaturisierung und Integration mit CMOS-Technologie wird darüber hinaus neue Anwendungsfelder erschliessen. Letztendlich tragen diese Entwicklungen massgeblich zur personalisierten Medizin bei und ermöglichen eine bessere Kontrolle industrieller Bioprozesse – ein Gewinn sowohl für Patienten als auch für die Biotechnologie-Branche.

FAQs

Q1. Wie funktionieren moderne Glukosesensoren? Moderne Glukosesensoren nutzen enzymatische Reaktionen, bei denen Glukoseoxidase Glukose in Glukonsäure und Wasserstoffperoxid umwandelt. Der entstehende elektrische Strom ist proportional zur Glukosekonzentration und wird mittels amperometrischer Messung erfasst.

Q2. Welche Vorteile bieten tragbare Biosensoren? Tragbare Biosensoren ermöglichen eine kontinuierliche und nichtinvasive Überwachung von Biomarkern im Alltag. Sie übertragen Daten drahtlos an mobile Geräte und verbessern so die Lebensqualität von Patienten, insbesondere bei der Diabetesüberwachung.

Q3. Was ist der LV5-Sensor und was kann er messen? Der LV5-Sensor ist ein multiparametrischer Biosensor, der gleichzeitig bis zu vier Analyten messen kann: Glukose, Laktat, Glutamin und Glutamat. Er verwendet eine kompakte Durchflusszelle mit nur 1 µL Probenvolumen und ist für den Einsatz in Bioreaktoren und medizinischen Anwendungen geeignet.

Q4. Wie werden Biosensoren in der Intensivmedizin eingesetzt? In der Intensivmedizin werden Biosensoren zur kontinuierlichen Überwachung kritischer Parameter wie Glukose- und Laktatwerte im Blut eingesetzt. Systeme wie EIRUS melden minütlich Messwerte und alarmieren bei Abweichungen, was die Patientenversorgung verbessert und die Mortalität senken kann.

Q5. Welche Entwicklungen sind in der Zukunft der Biosensorik zu erwarten? Zukünftige Entwicklungen in der Biosensorik werden voraussichtlich noch präzisere, langlebigere und vielseitigere Sensoren hervorbringen. Die weitere Miniaturisierung und Integration mit CMOS-Technologie wird neue Anwendungsfelder erschliessen und zur Verbesserung der personalisierten Medizin sowie der Kontrolle industrieller Bioprozesse beitragen.